Grüner Wasserstoff aus Wasserkraft: Neue Elektrolyseanlage in Wyhlen eingeweiht
Im baden-württembergischen Grenzach-Wyhlen ist eine neue Fünf-Megawatt-Elektrolyseanlage eingeweiht worden. Mit Strom aus Wasserkraft soll sie täglich bis zu 2,2 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen. Die Anlage ist Teil des Reallabors der Energiewende H2-Wyhlen, das die Wasserproduktion, -speicherung und -vermarktung unter realen Bedingungen erprobt. Wir betreuen das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt.
Nahe der Schweizer Grenze wird direkt am Rhein seit mehr als 100 Jahren Strom aus Wasserkraft gewonnen. Anfang Oktober 2026 wurde am Standort Grenzach-Wyhlen eine neue Elektrolyseanlage mit fünf Megawatt Leistung eingeweiht. Mit ihr lassen sich bis zu 2,2 Tonnen Wasserstoff produzieren.
Der neue Elektrolyseur ist Teil des Reallabors H2-Wyhlen. Seit 2021 wird dort untersucht, wie sich grüner Wasserstoff in größerem Maßstab erzeugen, speichern, transportieren und nutzen lässt. Dabei geht es nicht allein um die Technik. Die Beteiligten wollen auch herausfinden, unter welchen Bedingungen eine regionale Wasserstoffversorgung wirtschaftlich betrieben werden kann.
Vom Wasserkraftwerk zum Wasserstoff
Die Voraussetzungen dafür sind in Wyhlen günstig. Das benachbarte Wasserkraftwerk liefert den erneuerbaren Strom für die Elektrolyse. Für die neue Anlage wurde die bestehende Infrastruktur auf einer Fläche von rund 3.300 Quadratmetern erweitert.
Neben dem Elektrolyseur entstanden unter anderem Anlagen zur Wasseraufbereitung, Verdichtung und Abfüllung des Wasserstoffs. Auch die Speicherkapazitäten und Abfüllmöglichkeiten wurden ausgebaut. Die stationären Speicher können derzeit rund 5,1 Tonnen Wasserstoff aufnehmen.
Eine weitere Besonderheit ist die flexible Betriebsweise des Elektrolyseurs. Er soll auf Schwankungen im Stromangebot reagieren können.
Praxistest vor dem kommerziellen Betrieb
Nach der Einweihung steht zunächst ein 30-tägiger Probebetrieb an. Dabei werden die Anlage und ihre einzelnen Komponenten unter realen Betriebsbedingungen getestet und durch Messungen untersucht. Die Ergebnisse sollen zeigen, wo technische Anpassungen notwendig sind und welche Erfahrungen sich auf künftige Wasserstoffprojekte übertragen lassen.
Im Anschluss plant der Projektpartner naturenergie, die Anlage kommerziell zu betreiben. Der Wasserstoff soll unter anderem an Industrieunternehmen in Deutschland und der Schweiz geliefert werden. Vorgesehen ist außerdem eine Zertifizierung nach den europäischen Vorgaben für erneuerbare Kraft- und Brennstoffe nicht biogenen Ursprungs (RFNBO).
PtJ begleitet die Förderung seit Projektbeginn
Das Reallabor H2-Wyhlen wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) mit rund 15 Millionen Euro gefördert. Wir betreuen das Vorhaben seit seinem Start im Jahr 2021 im Auftrag des Ministeriums und sind für das Fördermanagement verantwortlich. Dazu gehören die fachliche und administrative Begleitung des Projekts sowie die Prüfung der Fördermittelverwendung.
H2-Wyhlen ist eines der Reallabore der Energiewende, die im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung gestartet wurden. In diesen Projekten werden neue Energietechnologien nicht nur im Labor, sondern unter realen Bedingungen und in industriell relevantem Maßstab erprobt. Ziel ist es, Erkenntnisse für den späteren Einsatz am Markt zu gewinnen.