40 erfolgreiche Jahre Projektträger Jülich –
Was bringt die Zukunft?

Dr. Christian Stienen, Leiter des Projektträgers Jülich (© Forschungszentrum Jülich, Ralf-Uwe Limbach)

Im Februar 2011 läutete eine Grundsatz-entscheidung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) einen Paradigmenwechsel für den Projektträgermarkt ein: Fortan sollten alle Projektträgeraufgaben nur noch im Wettbewerb vergeben werden. Die seit Mitte der 1970er Jahre geltenden unbefristeten Rahmenvereinbarungen wurden durch neue, grundsätzlich zeitlich befristete Verträge abgelöst. In den Jahren 2011 und 2012 wurden so alle bisherigen Aufträge ausgeschrieben und auf Basis der neuen Vertragsbedingungen neu vergeben. Dies stellte eine Herausforderung für die beteiligten Akteure dar.

Wir standen bereits zuvor im Wettbewerb um Aufträge der Bundesministerien für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), die Projekt-trägerleistungen seit Beginn ihrer Zuständigkeiten in der Forschungsförderung 1998 bzw. 2003 über Ausschreibungen vergeben.

Als Projektträger in öffentlicher Trägerschaft mit Sitz am Forschungszentrum Jülich haben wir andere Wettbewerbsvoraussetzungen als beispielsweise die konkurrierenden Projektträger der privaten Unternehmen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, haben wir unser Profil innerhalb der letzten zehn Jahre kontinuierlich geschärft. Mit der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems, das jährlich neu zertifiziert wird, haben wir bereits im Jahr 2004 die Weichen zur Weiterentwicklung unserer Leistungsfähigkeit gestellt. Auf die neue Vergabepraxis haben wir schließlich konkret mit zwei Schritten reagiert:

Zum einen haben wir zentrale Managementstrukturen etabliert, indem wir unseren Bereich „Zentrale Dienstleistungen, Entwicklung, Qualität (DEQ)“ neu ausgerichtet haben: Neben den bisherigen operativen Verwaltungsaufgaben übernehmen sieben Fachbereiche als strategischer Stab auch zentrale Aufgaben, die der Zukunftssicherung des PtJ dienen – vom Auftragsmanagement über Kommunikation und Geschäftsentwicklung, Personal, Personal- und Organisationsentwicklung, Qualitätsmanagement und -sicherung, Informations- und Kommunikationstechnik bis hin zur Vergabe.

Zum anderen haben wir unsere bisherigen Geschäftsfelder strategisch weiterentwickelt. Im Laufe unserer 40-jährigen Tätigkeit haben wir uns im Rahmen der Projektförderung vor allem in zwei Leistungsbereichen positioniert: wissenschaftlich-technische und administrative Kompetenz. Diese beiden Stärken werden von unseren Auftraggebern hoch bewertet und sind die Basis unseres bisherigen Erfolges.

Doch mit neuen förderpolitischen Schwerpunkten der Auftrag gebenden Ministerien steigen auch die Anforderungen an uns – weit über die Kernaufgaben der Projektförderung hinaus. Künftig werden technologieübergreifende Ansätze eine zentrale Rolle spielen, die stärker auf den gesellschaftlichen Bedarf ausgerichtet sind. Diese bedarfsorientierte Weiterentwicklung der Forschungspolitik wird flankiert von einer zunehmenden Innovationsorientierung zur Förderung des Wissens- und Technologietransfers.

Mit unseren Kompetenzen können wir diese forschungspolitische Ausrichtung optimal unterstützen und vorantreiben. Durch die Neueinrichtung bzw. -strukturierung von Geschäfts- und Fachbereichen bündeln wir unsere Kompetenzen so, dass wir die Anforderungen unserer Auftraggeber passgenau bedienen können. Die notwendige Methodenkompetenz stellt das als Stabstelle an die PtJ-Leitung angegliederte Kompetenzzentrum Analysen, Studien, Strategien (Kompass) bereit und unterstützt die Geschäftsbereiche bei neuen Aufgaben wie Innovations- und Technikanalysen sowie Innovationsbegleitung und Evaluation. Mit unseren Strategieteams Ressourceneffizienz und Energiewende führen wir unsere Kenntnisse über Technologien, Märkte und Akteure themenbezogen und geschäftsbereichsübergreifend zusammen. So wollen wir Impulsgeber für zukünftige Bedarfsfelder der Forschungs- und Innovationsförderung sein.

Damit konnten wir unsere Marktposition als fördermittelstärkster Projektträger auch in Zeiten des Wettbewerbs weiter ausbauen. In den Ausschreibungsphasen 2011 bis 2013 haben wir unsere bestehenden Aufträge wieder eingeworben und auch neue dazugewonnen. In den Bereichen Nachhaltigkeit und Werkstoffe haben wir unsere Position besonders gestärkt, indem wir die Federführung in der Umsetzung der entsprechenden Förderprogramme übernommen haben. Den Strategieprozess führen wir auch zukünftig fort, um an diese Erfolge weiter anzuknüpfen.