Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel – Projektträger Jülich organisiert Statustreffen der geförderten Nachwuchsgruppen


Bild: ©alphaspirit – stock.adobe.com

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Die Folgen des Ukraine-Kriegs für globale Handels- und Lieferketten zeigen derzeit deutlich, wie anfällig die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln ist. Im Rahmen der nationalen Bioökonomiestrategie beschäftigen sich junge Forschende unter anderem mit drängenden Fragen rund um die Ernährungssicherheit und -souveränität. Zum wissenschaftlichen Austausch und zur Vernetzung kamen im Oktober die sogenannten Nachwuchsgruppen in einem von PtJ organisierten Statustreffen zusammen.

Der Wandel zu einer biobasierten Wirtschaft hängt nicht allein vom Fortschritt wissenschaftlich-technologischer Innovationen ab, sondern ergibt sich aus einem Zusammenspiel vieler Faktoren. Von besonderer Bedeutung sind vielfältige Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Technik, Wirtschaft und Ökologie. Ausgehend von diesem Gedanken hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter dem Konzept „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ mehrere Fördermaßnahmen zu den gesellschaftlichen Voraussetzungen, Triebkräften und Effekten der Bioökonomie aufgelegt. Hierzu gehören auch die Nachwuchsgruppen, in denen junge Forschende der Geisteswissenschaften in einer frühen Karrierephase ein aktuelles und innovatives Forschungsthema erschließen. PtJ ist mit der Umsetzung und Weiterentwicklung aller Förderaktivitäten rund um das Dachkonzept „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ beauftragt.

Unterschiedliche Themenschwerpunkte und ein gemeinsames Ziel

Fünf Nachwuchsgruppen aus der zweiten Runde der von PtJ betreuten Fördermaßnahme trafen sich am 28. Oktober im BMBF in Berlin zu einem ersten Statustreffen, um sich über ihre wissenschaftlichen Methoden und theoretische Konzepte auszutauschen, sich zu vernetzen und gemeinsam ihre Forschungsergebnisse zu diskutieren. Die fünf Gruppen beschäftigen sich mit unterschiedlichen, gesellschaftlichen Aspekten der Bioökonomie. Jedoch verdeutlichen projektübergreifend wiederkehrende Themen wie Ernährungssicherheit, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit im Lichte einer stärker biobasierten Wirtschaft, wie fruchtbar der wissenschaftliche Austausch für den Weg zu einer nachhaltigen Bioökonomie ist.

Die geförderten Gruppen und ihre Themen

Ernährung ist nicht bloß eine Frage der Versorgung mit dem Nötigsten. Zur „Ernährungssouveränität“ gehört die Möglichkeit, selbst über die eigene, gesunde Ernährung bestimmen zu können. Die Gruppe FoodforJustice – Power, Politics, and Food Inequalities in a Bioeconomy an der FU Berlin vergleicht deshalb aktuelle soziale Bewegungen rund um das Thema Ernährungssouveränität in Europa und Lateinamerika.

Noch grundsätzlicher gefasst, richtet die Gruppe flumen – Mentalitäten im Fluss. Vorstellungswelten in modernen bio-kreislaufbasierten Gesellschaften an der Universität Jena ihren Blick auf alltägliche Orientierungen, Zukunftsvorstellungen und Weltbilder, die eine grundlegende Rolle für den Übergang von einer linear-wachstumsorientierten zu einer zirkulär ausgerichteten Produktionsweise spielen, wie die Bioökonomie sie anstrebt.

Mit der „Inwertsetzung von Natur“ und dem damit einhergehenden Wandel sozialer Strukturen beschäftigt sich die Gruppe BioMaterialities – Sozio-materielle Konstellationen und die Transformation von Produktion, Reproduktion und Politik an der HU Berlin.

Die Gruppe BioKum – Kumulative Wirkungen bioökonomischer Strategien für eine nachhaltigere Landwirtschaft am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) vergleicht, bewertet und optimiert regional angepasste Lösungsstrategien durch Aufbereitung, Kreislaufführung, energetische Nutzung oder Handel von Wirtschaftsdünger (tierische Ausscheidungen und Pflanzenreste). Zugleich wird die öffentliche Diskussion und Wahrnehmung von Landwirtschaft am Beispiel der intensiven Diskussion des „Gülleproblems“ untersucht.

Die an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswald angesiedelte Gruppe TRANSECT – Agrartransformation und sozial-ökologische Komplexitäten. Lokale Bioökonomie-Szenarien in Zentral- und Südasienvergleicht lokal angepasst Lösungsstrategien in Kasachstan, Tadschikistan und Pakistan. Diese streben eine Balance zwischen einer ökologisch und ökonomisch tragfähigen Landwirtschaft an, die zugleich unter den erschwerten Bedingungen des Klimawandels Überleben und Einkommen der regionalen Bevölkerung sichert.

Weitere Informationen

Zu den Bioökonomie-Nachwuchsgruppen des BMBF

Zur Projektförderung im Konzept "Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel"

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