Nahrung aus dem Meer Forschen gegen den Hunger in der Welt

24. Mai 2017

„Nahrung aus dem Meer“, „Entwicklungsziele der Vereinten Nationen“, „Hunger beenden“ unter diesen Schlagworten diskutierten rund 60 Experten im Rahmen des 13. BMBF-Forums für Nachhaltigkeit am 10. Mai 2017 die Zukunft unserer Ozeane. Zur Erreichung des UN-Nachhaltigkeitsziels „Leben unter Wasser“ hat der Projektträger Jülich diesen Workshop als einen der vier Experten-Workshops im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung( BMBF) organisiert und moderiert. Der Fokus lag dabei auf dem Zustand unserer Meere und aktuellen Meeresforschungsprojekten.

Meeresforscher diskutieren: Forschen gegen den Hunger in der Welt?

30 Prozent der weltweiten Fischbestände gelten als überfischt, weitere 58 Prozent als maximal befischt. Gleichzeitig versorgen unsere Ozeane die Weltbevölkerung mit lebensnotwendigen Proteinen. Wie lässt sich das Ziel, Leben unter Wasser zu schützen, mit dem Ziel vereinbaren, den Hunger global zu bekämpfen?

So zeigte Heike Vesper, Biologin und Leiterin Meeresschutz beim WWF, auf, dass derzeit an die 100 Millionen Tonnen Fisch inklusive Beifang weltweit auf den Ozeanen gefangen werden. Der weitaus größte Anteil des Fisches werde importiert oder stamme aus der Aquakultur. Nachhaltig sei die Fischerei auf den Weltmeeren derzeit nahezu nirgendwo. Nach einer WWF-Studie könnten allerdings bei einer hundertprozentigen Wirksamkeit des Fischereimanagements weltweit 137 Millionen Tonnen nachhaltig gefangen werden – bei voller Berücksichtigung aller Auswirkungen der Fischerei auf künftige Fangmöglichkeiten und den ökologischen Interaktionen.

Prof. Dr. Quaas, Ökonom an der Christian-Albrechts-Universität Kiel bestätigte, dass Voraussetzung für eine nachhaltige Fischerei die konsequente Umsetzung der Empfehlungen aus der Wissenschaft ist. Oftmals jedoch stünden andere, ökonomische Interessen bei der Fangquotenvergabe durch die EU-Kommission im Mittelpunkt. So seien die Dorsch-Bestände in der Ostsee nahezu erschöpft.

Prof. Bettina Meyer von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg erklärte, wie sich die Krillfischerei im Südpolarmeer darstellt. Die Fangquote zum Krillfang wird jährlich von der Arbeitsgruppe der CCAMLR (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources) für die Überwachung und Verwaltung des Ökosystems (WG-EMM) und des Wissenschaftlichen Ausschusses überprüft. Die vereinbarten Grenzen der Kommission werden für die jeweils laufende Fischsaison in den Erhaltungsmaßnahmen festgelegt. Krill gilt als eine der wichtigsten Komponenten der polaren Nahrungsnetze: Pinguine, Robben und Wale könnten ohne nicht existieren.

Nachhaltigkeit und Ökonomie müssen jedoch nicht im Widerspruch stehen. Dr. Levent Piker von der  Coastal Research & Management GbR (CRM) und Oceanbasis GmbH züchtet Brauntange und Muscheln in der Kieler Förde und vermarktet seine Produkte vor allem lokal. Er kennt aber auch die internationale Aquakultur aus eigenen Projekten und zeigte anhand von Beispielen auf, wie Aquakultur nachhaltig betrieben werden kann: Besonders die integrierte multitrophe Aquakultur (IMTA), die auf dem Konzept des Recyclings basiert, sieht er als Lösung, die eine größere Umweltverträglichkeit bietet und gleichzeitig den wirtschaftlichen Nutzen für die Erzeuger und Gemeinden erhöht.

Der biologische Ozeanograph Prof. Dr. Ulf Riebesell vom GEOMAR stellte einen anderen Ansatz vor. Er untersucht die Möglichkeiten und die ökologischen Auswirkungen, nährstoffreiches Tiefenwasser im offenen Ozean mittels einer Wellenpumpe an die Oberfläche zu pumpen. Durch das nährstoffreiche Wasser an der Oberfläche soll die natürliche Planktonproduktion im offenen Ozean angeregt werden und die Nahrungsgrundlage für Fische geschaffen werden.

Wissenschaftsjahr präsentiert Vielfalt und Verletzlichkeit unserer Meere

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 wurde das Forum bildstark abgerundet: Der Forschungstaucher und Biologe Uli Kunz von der Forschungstauchgruppe submaris entführte die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Unterwasserwelt. Weltweit preisgekrönte Bilder zeigten den  Lebensraum Meer in seiner Einzigartigkeit und Verletzlichkeit.

Eine Ausstellungs-Fläche des BMBF zur Meeresforschung lud die Besucher zudem ein, spontane Assoziationen zum Thema Meer zu formulieren und mittels einer Fotoaktion zu veröffentlichen. So  wünschten die Besucher den Meeren „weniger Emissionen“, „Stille und Sauberkeit“, und „dass sie nachhaltig geschützt werden“. Zu diesem Wunsch möchte das Bundesforschungsministerium mit seinem Programm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA)“ beitragen, dass unter anderem vom Projektträger Jülich umgesetzt wird.

 

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