Kreativität aus dem Bienenkorb

Eine sichere und umweltschonende Versorgung mit Energie, sauberes Trinkwasser, Maßnahmen gegen den Verlust von Artenvielfalt und Ackerböden sowie ein sparsamer Umgang mit kostbaren Rohstoffen: Die Liste von Herausforderungen, die zu bewältigen sind, um eine lebenswerte Zukunft der Menschen weltweit sicherzustellen, ist lang. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) widmet sich dieser Aufgabe unter anderem mit dem Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA), das 2015 in die dritte Runde geht. Bei der Gestaltung und Umsetzung dieses Programms setzen die Verantwortlichen im BMBF auf eine intensive Mitwirkung unter anderem von Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Kommunen. Und sie bauen auf die Unterstützung durch PtJ.

„Die Beteiligung von Stakeholdern erhöht die Effektivität der Forschung“, sagt Marcel Krönert, der bei PtJ in Berlin im Geschäftsbereich Nachhaltigkeit arbeitet. Er hält das für den entscheidenden Punkt von Partizipationsprozessen: „Je konsequenter Stakeholder schon bei der Konzeption von Förderprogrammen eingebunden sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse der Forschung am Ende auch umgesetzt werden.“

Partizipation ist ein wichtiges Instrument, um die Ziele des FONA-Rahmenprogramms zu erreichen. Das BMBF setzt schon seit einigen Jahren auf die Förderung von inter- und transdisziplinärer Forschung, also auf die enge Zusammenarbeit über die Grenzen verschiedener Forschungsdisziplinen hinweg. Diesen Ansatz möchte das Ministerium ausbauen und zivilgesellschaftliche Organisationen einbinden. Im Projektträger Jülich haben die fünf mit FONA befassten Referate des BMBF einen kompetenten Partner für die Planung und Umsetzung entsprechender Beteiligungsverfahren gefunden. Denn PtJ besitzt bereits einen breiten Erfahrungsschatz mit Partizipationsprozessen innerhalb der Wissenschaft – und kann das Ministerium auf diesem Fundament bei der Konzeption von zielgruppengerechten Vorgehensweisen maßgeblich unterstützen.

Erfahrungen und Erwartungen der Stakeholder

Ein Beispiel macht das deutlich: Die Verantwortlichen im BMBF wollten gegen Ende des zweiten FONA-Rahmenprogramms ausloten, welche konkreten Erfahrungen die geförderten Einrichtungen und Unternehmen mit den Fördermaßnahmen gemacht haben und was sie von dem Folgeprogramm erwarten. Dazu entwickelten Krönert und seine Kolleginnen und Kollegen eine Online-Befragung, die sich an die Zuwendungsempfänger des zweiten Forschungsrahmenprogramms richtete. „Im Herbst 2013 schrieben wir im Auftrag des BMBF über 2.700 Personen an und baten sie um die Beantwortung bestimmter Fragen bezüglich der Programmmerkmale von FONA“, berichtet Krönert. Aus dem Rücklauf ließ sich ein repräsentatives Bild ihrer Erkenntnisse und Wünsche zeichnen – und das quer durch die Anspruchsgruppen: Je ein Drittel der Antworten kam von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, etwa 20 Prozent von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Unternehmen und fünf Prozent aus öffentlichen Institutionen. Daraufhin stellten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei PtJ sicher, dass die Resultate der Befragung durch eine detaillierte Analyse und Aufarbeitung der Ergebnisse direkt in die strategische Planung des BMBF für das nächste FONA-Programm einfließen konnten.

Die Online-Befragung, bei der die Anliegen von Stakeholdern direkt in die Entwicklung von Fördermaßnahmen einflossen, ist nur ein Beispiel für eine gelungene Organisation von Beteiligungsverfahren im Rahmen von FONA. Es verdeutlicht zugleich die Kompetenz von PtJ in diesem Aufgabenfeld. PtJ konnte sich damit als Dienstleister für die Durchführung von Partizipationsprozessen etablieren.

„Wer sich an der Vorbereitung einer Entscheidung beteiligt hat, sollte danach auch den eigenen Beitrag erkennen können. Nur dann wird Teilhabe auch wirklich als solche wahrgenommen.“
Marcel Krönert

Auch für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Befragung hat sich das Engagement ausgezahlt: Sie können viele ihrer Inputs im neuen Forschungsrahmenprogramm namens FONA3 wiederfinden. Für Krönert ist das ein wichtiges Merkmal erfolgreicher Partizipation: „Wer sich an der Vorbereitung einer Entscheidung beteiligt hat, sollte danach auch den eigenen Beitrag erkennen können. Nur dann wird Teilhabe auch wirklich als solche wahrgenommen.“ Der gesamte Prozess und seine Umsetzung müssen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein und den Stakeholdern am Ende vermitteln: Hier habe ich selbst etwas bewirkt. Für die Organisatorinnen und Organisatoren bei PtJ ist das eine anspruchsvolle Aufgabe. Um die Partizipation danach zu gestalten, müssen alle relevanten Akteure einbezogen und der Prozess transparent gemacht werden – das gilt auch für die verschiedenen Referate und Hierarchieebenen, die in einem Ministerium an der Entscheidungsfindung beteiligt sind.

Doch es sind noch weitere Herausforderungen bei der Organisation von Partizipation zu meistern. So kommt es zunächst darauf an, die richtigen Personen oder Gruppen zu identifizieren und in den Prozess einzubeziehen: Wird der Kreis der beteiligten Stakeholder zu eng gezogen, bleiben wertvolles Wissen und gute Ideen außen vor – ist andererseits die Zahl der Mitwirkenden zu groß, droht das Ganze unübersichtlich und beliebig zu werden. Sind die geeigneten Stakeholder erkannt, ist es die Aufgabe der Organisatorinnen und Organisatoren, sie in adäquater Weise anzusprechen und das passende Format der Mitwirkung für sie zu finden. Letztlich müssen Beteiligungsverfahren als fortlaufender Prozess angelegt sein und dürfen nicht mit dem Sammeln von Anregungen enden. Danach müssen die Ergebnisse gesichert und so aufbereitet werden, dass sie bei der Entscheidungsfindung helfen.

„Ein gutes Beispiel dafür liefert das World Café, das wir 2013 im Rahmen des 10. FONA-Forums konzipiert und durchgeführt haben“, sagt Erik Zürn, der bei PtJ dafür zuständig ist, das BMBF bei der Fachkommunikation im Rahmen der Projektträgerschaft Ressourcen und Nachhaltigkeit zu unterstützen. Dieses Forum findet jedes Jahr im Herbst statt und steht Zuwendungsempfängern sowie Akteuren von Wirtschaft und Kommunen offen. „Ziel der zweitägigen Veranstaltung ist es, für alle an dem Programm Beteiligten sichtbar zu machen, was in den vorangegangenen zwölf Monaten bei FONA gelaufen ist“, sagt Zürn. Im Jahr 2013 beauftragte das BMBF den Projektträger Jülich und die VDI Technologiezentrum GmbH damit, einen zusätzlichen dritten Tag für die Veranstaltung zu entwerfen. Er sollte dazu beitragen, eine solide Basis für die Weiterentwicklung des Forschungsrahmenprogramms zu legen – mit dem Fachwissen und den kreativen Ideen der Stakeholder.

„Dazu haben wir Tische für verschiedene Aktionsfelder wie die Energiewende, die internationale wissenschaftliche Kooperation oder den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen kreiert“, berichtet Zürn. An jedem Tisch konnten sich Forscherinnen und Forscher sowie Akteure aus Politik und Wirtschaft gemeinsam über das betreffende Thema austauschen – eine besonders inspirierende Art der Beteiligung. „Im Vorfeld der Veranstaltung hatten wir für jeden Thementisch eine Reihe spezifischer Leitfragen ausgearbeitet, die am Ende des Meinungs- und Ideenaustauschs beantwortet sein sollten“, so Zürn. Die Leitfragen waren in einem Zielbogen formuliert und bezogen sich beispielsweise auf die Notwendigkeit systemischer Ansätze, auf zukünftig wichtige Forschungsthemen und auf Best Practices – exemplarische Muster aus der Praxis für eine erfolgreiche Umsetzung von Forschungsresultaten.

Diskussionen anders angehen

Ein Moderator sorgte an jedem Tisch dafür, dass die Diskussionen zielgerichtet verliefen. Zwei Protokollanten pro Thementisch waren für die Dokumentation der Ergebnisse verantwortlich. Zudem fertigte ein Grafiker originelle Zeichnungen an, so genannte Graphic Recordings. Alle Mitwirkenden – aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Forschungsförderung – hatten die Möglichkeit, mehrmals zwischen den Thementischen zu wechseln. Weil es bei dieser Form der Beteiligung durch das emsige Arbeiten richtig „brummt“, gaben die Verantwortlichen bei PtJ ihrem Konzept den Namen „Bienenkorb“.

„Diese Form der Partizipation kam sehr gut an“, freut sich Zürn – nicht nur bei ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen, für die die angeregten, kontroversen und teils hitzigen Debatten an den Thementischen ein außergewöhnliches Erlebnis waren, sondern auch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und den Verantwortlichen aus dem Ministerium. Die Stakeholder waren beeindruckt, weil PtJ mit diesem neuen Format frischen Wind in eine thematisch anspruchsvolle Diskussion brachte. Im Bundesforschungsministerium stießen die teils überraschenden und kostbaren Resultate auf großes Interesse.

„Die Auswertung der zahlreichen Informationen und Anregungen war allerdings nicht leicht“, gesteht Zürn, denn für diese Aufgabe gab es kein Patentrezept. So stand PtJ unter anderem vor der Herausforderung, dass sich aus den Diskussionen zwischen den Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern – von denen jeder einzelne vor allem sein eigenes Forschungsgebiet für relevant hält – ein breites Spektrum an Teilinteressen ergab. „Daraus musste das BMBF mit unserer Hilfe gemeinsame Interessen und die für die gesamte Gesellschaft wichtigen Aspekte herausdestillieren“, sagt Zürn.

Er und seine Kolleginnen und Kollegen haben in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet: bei der Auswahl des für die adressierten Zielgruppen geeigneten Formats sowie bei der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der World Cafés. Die wertvollen Erfahrungen, die das Team von PtJ dabei gemacht hat, konnte es im Jahr darauf erneut nutzen: Beim folgenden FONA-Forum 2014 wurde das gewinnbringende Format in einer Session erneut genutzt.

Krönert zieht ein durchweg positives Fazit der Aktivitäten für das FONA-Rahmenprogramm: „Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, je nach den Anforderungen unseres Auftraggebers eine breite Palette von Angeboten zu entwickeln und alternative Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“ Auch zukünftig werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von PtJ an kreativen und innovativen Konzepten für Verfahren arbeiten, die Partizipation gewährleisten – auch für FONA. Daraus werden – zusammen mit den Inputs der Stakeholder – sicher noch viele Ideen und Forschungsansätze für eine nachhaltige Entwicklung geboren.

Hinweis

Die Texte stammen aus dem Dossier „Partizipation in der Forschungs- und Innovationsförderung“ des PtJ-Geschäftsberichts 2014.

Redaktion:

  • Projektträger Jülich
  • scienceRELATIONS

Bildnachweise


  • Hintergrundbild „Kreativität aus dem Bienenkorb“: Bildmontage: Rawpixel Ltd/iStock/thinkstock; FONA 

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