Klimaschutz vor Ort verankern

Klimaschutz ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Internationale Vereinbarungen setzen zwar die notwendigen Rahmenbedingungen, allein aber können sie die Folgen des Klimawandels nicht aufhalten. Die auf politischer Ebene gesteckten Ziele müssen von den Menschen vor Ort umgesetzt werden. „Um dies zu erreichen, bedarf es der Mitwirkung und Einbeziehung aller“, schreibt Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Vorwort der Broschüre „Die Nationale Klimaschutzinitiative: Daten, Fakten, Erfolge“. Diese Initiative hat die Bundesregierung bereits 2008 ins Leben gerufen, um gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteuren aus Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft innovative Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.

Im Rahmen der Initiative fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) Klimaschutzprojekte bundesweit. Ziel der Förderung ist es, Treibhausgasemissionen in Deutschland zu reduzieren, um die ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Die durch PtJ betreuten Projekte umfassen Klimaschutzaktivitäten in Kommunen, Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft oder adressieren Verbraucherinnen und Verbraucher. Eine wichtige Rolle spielt dabei, alle für die Umsetzung relevanten Akteure einzubeziehen.

Ein Beispiel ist die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz, die kleine und mittelständische Unternehmen aus Handwerk und Industrie mit Qualifizierungs- und Netzwerkprojekten darin unterstützt, wirtschaftlich sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Darüber hinaus werden Auszubildende zu betrieblichen Klimaschutzmanagerinnen und -managern qualifiziert. Sie sollen als Energie-Scouts dazu beitragen, Energieeinsparpotenziale in ihren Ausbildungsbetrieben zu erkennen, zu dokumentieren und Verbesserungen anzuregen. Ein anderes Projekt, Towards 2050 – Dein Weg in die Zukunft, regt Auszubildende und Studierende dazu an, sich privat und beruflich für nachhaltige Mobilitätslösungen zu engagieren.

„Es ist nur dann möglich, die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen, wenn die verschiedenen Akteure an einem Strang ziehen. Dies setzt ein gemeinsames Verständnis darüber voraus, was Klimaschutz ist und wie er erreicht werden kann. Partizipation der Akteure, die Einfluss auf die zukünftige Entwicklung ausüben können, ist ein Schlüssel dafür.“
Franziska Eichler, Leiterin des PtJ-Geschäftsbereichs Klima

„Entscheidend für den Erfolg der Klimaschutzinitiative sind die Aktivitäten in den rund 13.000 deutschen Städten und Gemeinden“, sagt Franziska Eichler, Leiterin des Geschäftsbereichs Klima bei PtJ. Hier setzt die Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen an, kurz: Kommunalrichtlinie. Mit ihr unterstützt das Bundesumweltministerium insbesondere Städte, Gemeinden und Landkreise dabei, lokale Klimaschutzstrategien und -projekte zu erarbeiten. Beteiligt sind stets auch Fachleute aus dem PtJ-Geschäftsbereich Klima. Deren Aufgabe ist es, die Projekte fachlich und administrativ zu begleiten.

„Die Kommunalrichtlinie hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt. In den Jahren 2008 bis 2014 konnten 7.300 Projekte in rund 3.000 Kommunen gefördert werden“, sagt Eichler. „Die vielen positiven Rückmeldungen und das unverminderte Interesse an der  Kommunalrichtlinie sprechen für den Tatendrang der Menschen vor Ort.“ Und das ist nicht nur gut für das Klima. Städte, Gemeinden und Kommunen, die in den Klimaschutz investieren, senken dauerhaft ihre Energiekosten und entlasten damit ihren Finanzhaushalt.  Gleichzeitig erhöht ein aktiver Klimaschutz die regionale Wertschöpfung. Die Infrastruktur zu modernisieren, energieeffiziente Beleuchtung zu installieren und andere ausgewählte Technologien zu nutzen, kommt auch den Unternehmen vor Ort zugute.

Kommunalrichtlinie

Die Kommunalrichtlinie eröffnet Städten und Gemeinden den Zugang

  • zur Einstiegsberatung für Kommunen, die am Beginn ihrer Klimaschutzbemühungen stehen,
  • zur Erstellung von Klimaschutzkonzepten und -teilkonzepten,
  • zur Umsetzung dieser Konzepte durch Klimaschutzmanagerinnen und -manager,
  • zur Einführung/Weiterführung von Energiesparmodellen in Schulen und Kindertagesstätten durch Klimaschutzmanager sowie
  • zu investiven Klimaschutzmaßnahmen in den Bereichen Klimaschutztechnologien und Nachhaltige Mobilität.

Im Rahmen der Kommunalrichtlinie werden sowohl Kommunen gefördert, die schon im Klimaschutz aktiv sind, als auch solche, die bisher keine Möglichkeit dazu gesehen haben. Eichler: „Mehr Menschen für den Klimaschutz zu gewinnen, den Erfahrungsaustausch zu fördern und den Klimaschutz auf kommunaler Ebene breit zu verankern – das sind wichtige Ziele der in der Kommunalrichtlinie geforderten Akteursbeteiligung.“

Damit die beteiligten Akteure ihre gesellschaftliche Aufgabe im Klimaschutz tatsächlich wahrnehmen können, sorgen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei PtJ dafür, dass bei der Weiterentwicklung von Förderbekanntmachungen partizipative Aspekte berücksichtigt werden. Zudem achten sie bei der Prüfung der eingereichten Anträge und der anschließenden Begleitung von Förderprojekten darauf, dass die Kommunen rechtzeitig auch Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen – beispielweise aus Wirtschafts- und  Umweltverbänden, Sportvereinen und Schulen – einbeziehen. „Derartige Partizipationsprozesse sind wichtig, um die Klimaschutzziele zu erreichen, und daher ein Kriterium bei der Bewilligung von Förderanträgen“, betont Eichler.

Gewusst wie

Dass Klimaschutzkonzepte in den Kommunen umgesetzt werden können, ist auch den vor Ort aktiven Klimaschutzmanagerinnen und -managern zu verdanken. Sie sind die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen des Klimaschutzes in der Kommune. Sie bereiten die Umsetzung der im Klimaschutzkonzept erarbeiteten Maßnahmen vor, begleiten diese und organisieren den Beteiligungsprozess aller relevanten Akteure.

Im Rahmen dieser Vorhaben besteht außerdem die Möglichkeit, einen Zuschuss zur Umsetzung einer einzelnen ausgewählten Klimaschutzmaßnahme zu beantragen.

Beteiligung schafft Akzeptanz

Im Rahmen der Förderprogramme der Nationalen Klimaschutzinitiative können Kommunen mithilfe eines umfassenden Klimaschutzkonzepts Potenziale zur Einsparung von Treibhausgasen und zur Energieeffizienz erschließen sowie verstärkt erneuerbare Energien nutzen. Dazu müssen die betroffenen Verwaltungseinheiten, Investoren, Energieversorger oder Interessenverbände wie Handwerkskammern und Umweltverbände sowie die Bevölkerung vor Ort an einen Tisch geholt werden. In diesem partizipativ gestalteten Prozess entwickelt die Kommune gemeinsam mit relevanten Akteuren ein Leitbild und wählt die später umzusetzenden Maßnahmen aus. Die konkreten Maßnahmen und die damit verbundenen Chancen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, werden veröffentlicht und mit den Akteuren diskutiert. Auf diese Weise können Hemmnisse identifiziert, Verbesserungsmöglichkeiten entwickelt und konstruktiv erarbeitet werden. Eichler: „Indem die Kommunen die Bürgerinnen und Bürger von Beginn an in die Planungen einbinden, können sie ihre Klimaschutzziele an der Basis verankern.“

Vorbildlich: Klimaschutz in Göttingen

Neben den Förderschwerpunkten Klimaschutzkonzepte und Klimaschutzmanager wurde 2011 der Schwerpunkt Masterplan – 100 Prozent Klimaschutz ins Leben gerufen. Kommunen mit besonders ambitionierten Klimaschutzzielen haben die Möglichkeit, sich um diese Fördermittel zu bewerben. Ein Pionier des Programms ist die Stadt Göttingen: Sie treibt den lokalen Klimaschutz seit 1991 vorbildlich voran und bezieht dabei die Bürgerinnen und Bürger sowie klimarelevante Akteure auf vielfältige Weise ein.

Die Stadt zählt zu den 19 deutschen Kommunen, die über den Förderschwerpunkt bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden wollen. Der Masterplan der Stadt Göttingen ist die strategische Fortschreibung des integrierten Klimaschutzkonzeptes, das die Kommune bereits 2010 gemeinsam mit der Georg-August-Universität und den Stadtwerken Göttingen aufgestellt hat. „Bei den Projekten waren von Beginn an Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen eingebunden“, sagt Dinah Epperlein, die als Leiterin des Fachdienstes Hochbau, Klimaschutz und Energie der Stadt Göttingen verantwortlich ist für die Klimaschutzaktivitäten der Stadt.

Dies geschah zum Beispiel in themenspezifischen Workshops, um gemeinsam mit den Fachkräften der Stadt ein Leitbild für den Masterplan und konkrete Ziele zu erarbeiten. Entscheidungsträgerinnen und -träger aus örtlichen Unternehmen konnten etwa im Workshop Wirtschaft ihre jeweilige Fachkompetenz und Sichtweise einbringen. Im Workshop Zivilgesellschaft saßen dagegen Vertreterinnen und Vertreter aus Umweltverbänden, Schulen, Sportvereinen und Kirchen zusammen, um sich darüber Gedanken zu machen, wie die langfristige Klimaschutzstrategie der Kommune in der Öffentlichkeit verankert werden kann.

Ein besonders anschauliches Beispiel für Partizipation in Göttingen und ein erster Schritt auf dem Weg zum Masterplan war der Wettbewerb Klima-Werkstatt für Bürgerinnen und Bürger, die sich mit ihren Ideen aktiv für den praktischen Klimaschutz in Göttingen einsetzen. Aus 46 eingegangenen Vorschlägen wurden im Oktober 2012 auf dem 1. Göttinger Klimatag 26 Projekte ausgewählt, deren Initiatoren auf den drei nachfolgenden Klima-Werkstätten miteinander vernetzt und bei der Weiterentwicklung ihrer Projektideen fachlich beraten wurden. Mit dem Prozess sollte deutlich gemacht werden, dass Themen wie Klimaschutz und Energiewende von jedem im Alltag gelebt werden können.

Inzwischen ist der Masterplan in Göttingen erstellt und wird seit Anfang 2014 in die Tat umgesetzt. „In Göttingen hat sich die Akteursbeteiligung als sinnvolles Instrument erwiesen, um Klimaschutzprojekte gemeinsam mit der Bevölkerung voranzubringen“, ist Epperlein überzeugt: „Klimaschutz ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft, die auf lokaler Ebene nur gemeinsam mit den wichtigen städtischen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Energieversorgung und Multiplikatoren des gesellschaftlichen Lebens erreicht werden kann“.

Hinweis

Die Texte stammen aus dem Dossier „Partizipation in der Forschungs- und Innovationsförderung“ des PtJ-Geschäftsberichts 2014.

Redaktion:

  • Projektträger Jülich
  • scienceRELATIONS

Bildnachweise


  • Hintergrundbild „Klimaschutz vor Ort verankern“: Clerkenwell/Stockbyte/thinkstock
  • Hintergrundbild „Vorbildlich: Klimaschutz in Göttingen“: videnovic/iStock/thinkstock

Projektträger Jülich – erkennen. fördern. gestalten.


Der Projektträger Jülich arbeitet im Auftrag von:
Der Projektträger Jülich in Zahlen im Jahr 2017
1.092
Mitarbeiter/innen
20.595
Laufende Vorhaben
1.614
Fördervolumen in Mio. Euro
4
Geschäftsstellen