Die Kommune im Fokus

Ob Klimawandel, Ressourcenknappheit, demografischer Wandel oder Ernährungssicherheit – um globale Herausforderungen zu bewältigen, bedarf es auch vielfältiger Einzellösungen auf kommunaler Ebene. Gefragt sind da zum einen technische Innovationen wie beispielsweise eine moderne Wasserversorgung, um die Nahrungsmittelproduktion zu sichern, oder ausgetüftelte Ladeinfrastrukturen für ein funktionierendes E-Netz. Zum anderen aber gewinnen veränderte Lebensstile und neue Herangehensweisen eine immer größere Bedeutung: Viele Kommunen und Städte in Deutschland haben diese Entwicklung erkannt und als Chance begriffen. Sie ebnen diesem veränderten, nachhaltigen Denken aus der Gesellschaft heraus mit Unterstützung des Projektträgers Jülich neue Wege – beispielsweise auf den Dächern Berlins oder in Enkenbach-Alsenborn, einem der kleinsten Energiedörfer der  Bundesrepublik. Die Integration sozialer Innovationen auf kommunaler Ebene bedeutet einen klaren Richtungswechsel: Stadtverwaltungen setzen vermehrt auf Mitbeteiligung der Bürgerinnen und Bürger und eine Zusammenarbeit mit Stakeholdern und anderen Gemeinden. Soziale Initiativen und Kreativität werden so in der breiten Öffentlichkeit angeregt und verankert.

Auf die Dächer, fertig, los!

Weniger Platz, mehr Menschen: So sieht die Zukunft unserer Grossstädte aus. In der Berliner Roof Water-Farm kombinieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fischzucht mit Pflanzenanbau auf engstem Raum und schonen dabei Ressourcen. Entstanden ist eine Technologie, die die Vision einer nachhaltigen, ressourceneffizienten Stadt in greifbare Nähe rücken lässt.

Eisig ist es an diesem Februarmorgen in Berlin: -8 Grad Celsius zeigt das Thermometer. Die zehn brasilianischen Bürgermeister stehen fröstelnd in der Bernburger Straße im Stadtteil Kreuzberg – und warten. Da kommt eine blonde Frau um die Ecke geradelt: Anja Steglich lächelt ihren Gästen herzerwärmend entgegen und begrüßt sie in fließendem Portugiesisch. Die Landschaftsarchitektin von der TU Berlin ist internationales Publikum gewohnt, regelmäßig führen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Roof Water-Farm Interessierte aus aller Welt durch die Pilotanlage. Auch aus dem gesamten Bundesgebiet reisen Politiker, Architekten, Studierende, Schüler und Visionäre nach Berlin, um sich auf dem Hinterhof von Block 6 davon zu überzeugen, dass es durchaus funktioniert, auf kleiner Fläche Landwirtschaft und Fischzucht zu betreiben – gekoppelt an eine Wasseraufbereitungsanlage.

Zukunftsweisend: die Roof Water-Farm

„Die Roof Water-Farm zeigt Wege zu innovativer dezentraler Siedlungswasserwirtschaft und urbaner Nahrungsmittelproduktion“, erklärt Steglich ihren brasilianischen Zuhörern. Gründe genug für die Gäste, der Eiseskälte zu trotzen. Auch sie sind auf der Suche nach neuen Ideen und Technologien, um ihre wachsenden Großstädte effizient und nachhaltig zu gestalten. Denn: Platz ist eine knappe Ressource – in Berlin genauso wie in Rio de Janeiro. Inzwischen wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in urbanen Räumen, 2050 werden es voraussichtlich mehr als zwei Drittel sein. Die Städte müssen sich wappnen – beispielsweise mit gebäudeintegrierten Stadtfarmen, die wasser- und energieschonend arbeiten und zugleich die Ernährung sichern. Einen solchen Ansatz verfolgt die Roof Water-Farm. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt, an dem die TU Berlin und fünf weitere Kooperationspartner beteiligt sind, seit 2013 im Rahmen der Fördermaßnahme „Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ (INIS) – begleitet vom Projektträger Jülich (PtJ).

Abwasser als Ressource

Das Herzstück des Projekts ist eine biologische Kläranlage, die ganz ohne Chemie auskommt: Sie steht geschützt in einem kleinen Holzhaus im Innenhof von Block 6 und arbeitet vor sich hin: 24 Stunden, 365 Tage im Jahr reinigt sie das Abwasser von 250 Anwohnerinnen und Anwohnern mithilfe von Mikroorganismen und UV-Licht und speist es wieder in den Kreislauf ein. „In den 1980er Jahren haben wir zwar gelernt, unseren Müll zu trennen, aber leider nicht das Abwasser“, erklärt Erwin Nolde. Der Ingenieur hat die Demonstrationsanlage gebaut und installiert. Bis heute wird „schmutziges Wasser“ einfach nur beseitigt: Egal, ob Fäkalien, Dusch-, Küchen- oder Regenwasser, das Wasser wird über die Kanalisation in die Kläranlage geschwemmt. Eine Lösung, die für Angela Million als Koordinatorin der Roof Water-Farm allein nicht zukunftsträchtig ist: „Eine nachhaltige Wasserwirtschaft muss heute um dezentrale oder semidezentrale kleinere Wasserbehandlungssysteme ergänzt werden, die Abwasser nicht nur beseitigen, sondern recyceln“, fordert die Professorin für Stadtplanung. Die Roof Water-Farm setzt auf eine solche dezentrale Lösung. Eine Grundlage dafür ist, dass das Abwasser der Anwohnerinnen und Anwohner über zwei Leitungssysteme getrennt wird in Schwarzwasser aus der Toilette und Grauwasser aus Badewanne, Dusche und Waschmaschine. Während 80 Prozent des gereinigten Grauwassers als Betriebswasser zurück in die Haushalte gelangen, werden fünf Prozent für die Farmwirtschaft eingesetzt. Die befindet sich direkt in dem ans Holzhaus angrenzenden Gewächshaus: Bei der sogenannten „Aquaponik“ fließt das gereinigte Grauwasser zunächst in Fischtanks und gelangt von dort weiter zu den Pflanzen. „Fischkot ist idealer Dünger für Pflanzen, die dann wiederum als Nahrungsmittel zur Verfügung stehen“, erklärt Anja Steglich. Das überflüssige Wasser wird aufgefangen, gefiltert und über mehrere Schritte wieder in die Fischbecken geleitet.

Obst, Gemüse und Fisch – frisch auf den Tisch

Im Sommer ernten die Anwohnerinnen und Anwohner frische Erdbeeren, Salat, Tomaten, Gemüse und Karpfen oder Schleie. Heute, an diesem eisigen Februartag, bestaunen die Brasilianer lediglich die ausgeklügelte Technik – und freuen sich über die Wärme im Gewächshaus. Erst im Frühjahr beginnt die „Gartensaison“. Solche aquaponischen Systeme gelten derzeit als die platzsparendste Form der Landwirtschaft. Während das eingesetzte Grauwasser eher wenige Nährstoffe enthält, ist das Toilettenabwasser eine Ressource, die beachtliche Mengen an Phosphor, Stickstoff und Kalium enthält – die wichtigsten Bestandteile von Flüssigdünger. Erwin Nolde spricht augenzwinkernd von „Goldwasser“, das nach einem im Projekt entwickelten Aufbereitungsverfahren in der erdlosen Pflanzen- und Gemüsezucht im Gewächshaus eingesetzt wird: „Hydroponik“ lautet das entsprechende Fachwort. Etwaige hygienische Bedenken konnten die Forscherinnen und Forscher in Studien widerlegen: „Aufbereitetes Betriebswasser aus Grauwasser und der gewonnene Flüssigdünger aus Schwarzwasser sind ohne hygienische Vorbehalte zum Anbau von Pflanzen und zur Produktion von Fischen geeignet. Unsere Forschungsergebnisse belegen die hygienische Unbedenklichkeit der Nahrungsmittel“, ergänzt Million.

Technische Machbarkeit bewiesen

Auch wenn die Roof Water-Farm aus organisatorischen Gründen nicht auf dem Dach steht: „Die technische Machbarkeit haben wir bewiesen. Nun geht es darum, das Projekt auf andere Städte zu übertragen, Akteure zu finden, die sich trauen, Anlagen in verschiedenen Dimensionen zu bauen und lebensmittelrechtliche Genehmigungen für die Aqua- und Hydroponik einzuholen“, erklärt Million – dafür hat das BMBF weitere zwölf Monate bis Ende 2017 genehmigt.

roofwaterfarm.com

Klein, aber oho!

Eine kleine Gemeinde hat Grosses vor: Bis 2050 will das pfälzische Enkenbach-Alsenborn seine Treibhausgasemissionen um 95 Prozent reduzieren und den Endenergiebedarf halbieren. Ein Ortsbesuch.

8:35 Uhr: Bahnhof Enkenbach-Alsenborn

Langsam rollt der Zug in Enkenbach-Alsenborn ein. Die Sonne versteckt sich noch hinter dunstigem Nebel. Verlassen liegt der Bahnhof da, das Bahnhofshäuschen steht leer, ein paar restliche Schneeflecken erinnern noch an den Winter. Kaum jemand steigt aus – in einer der kleinsten Masterplan-Kommunen Deutschlands: Gut 7.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt die Ortsgemeinde, der berühmteste war das deutsche Fußballidol Fritz Walter. Vor dem Bahnhof wartet eine junge Frau mit Kurzhaarschnitt. In Jackett und Jeans wirkt sie energisch: Lisa Rothe ist die Masterplan-Managerin von Enkenbach-Alsenborn. Geht es um Kohlendioxid-Bilanzen, Kraftwerke oder Klimaschutzfragen, kommt man an der 29- jährigen Umwelt- und Betriebswirtschaftlerin nicht vorbei. Bei ihr laufen die „kommunalen Klimaschutz-Fäden“ zusammen. „Wir haben uns als Masterplan-Kommune verpflichtet, unsere Treibhausgasemissionen bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 zu senken und unseren Verbrauch an Endenergie in diesem Zeitraum zu halbieren“, erklärt die junge Frau. Da liegt es auf der Hand, dass wir zu Fuß zum Rathaus marschieren – das nur drei Minuten entfernt liegt. Die Menschen nicken ihr zu, man kennt sich im Dorf. „Enkenbach-Alsenborn wurde 2012 als einzige Teilnehmerkommune  in Rheinland-Pfalz ausgewählt“, erzählt sie unterwegs. Das liegt vier Jahre zurück. 48 Monate, in denen die kleine Kommune Großes geleistet und längst bundesweit eine Vorbildfunktion übernommen hat: Mit dem selbst erzeugten Strom aus Sonne, Wind und Biomasse kann die Gemeinde schon über 40 Prozent ihres gesamten Strombedarfs decken und sich damit langfristig von Energieimporten unabhängig machen. „Besonders wichtig: Die Wertschöpfung verbleibt in der Region und fließt nicht für fossile Brennstoffimporte ab“, sagt Rothe. Auch in Sachen Mobilität hat die Ortsgemeinde einiges auf die Beine gestellt: Der gemeindeeigene Fuhrpark wurde komplett nachhaltig umgerüstet, vier Elektrofahrzeuge und ein Hybridauto sind im Einsatz: „Wir sparen über die Nutzungsdauer der Fahrzeuge hinweg mindestens 20.000 Euro und 252 Tonnen Kohlendioxid“, rechnet Rothe vor, während wir das Rathaus ansteuern.

9:00 Uhr: Bürgermeisterzimmer im Rathaus

Der Kaffee steht auf dem Tisch, Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel nimmt sich Zeit für ein Gespräch. Seit über 13 Jahren ist er im Amt, seit 31 Jahren in der Ortspolitik aktiv. Vieles hat der Mann mit den dunkelblonden Haaren und den blauen Augen auf den Weg gebracht: „Bei uns ist Klimaschutz kein ,Nice-to-have‘, sondern viertes Standbein – neben der Gewerbeansiedlung, dem Breitbandausbau und der Schaffung von Wohngebieten.“ Allerdings wäre das Klimaschutz-Engagement ohne die Beharrlichkeit von Lisa Rothe nicht möglich. „Ich habe jede Woche mindestens eine gute Idee, aber es bleibt mir nicht die Zeit, sie zu prüfen!“, sagt Wenzel und lacht. Kurze Wege – Rothes Zimmer liegt gleich neben dem des Ortsbürgermeisters – garantieren eine reibungslose Kommunikation. Mehrmals täglich besprechen sie sich, Wenzel als Ideen- und Impulsgeber, Rothe übernimmt die „Puzzlearbeit“ und arbeitet die Ideen weiter aus. Eine konstruktive Zusammenarbeit, aus der fünf Masterplan-Leuchttürme entstanden sind: das virtuelle Kraftwerk, Energieeffizienz im Gebäudebestand, der Ausbau regenerativer Nahwärmenetze, der Einsatz von Blockheizkraftwerken (BHKW) in Mietobjekten sowie nachhaltige Elektromobilität. „Zu den Themen haben wir Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, um die komplexen Sachverhalte detailliert zu erfassen und die Wirtschaftlichkeit zu überprüfen. Nur so lässt sich klären, ob sich die Projekte für die Gemeinde und den Bürger rechnen“, erklärt Rothe. Die Machbarkeitsstudien – insbesondere die zur Elektromobilität – werden auch von anderen Kommunen angefragt: „Wir geben unser Wissen gern weiter“, sagt Rothe.

Wir verlassen das Rathaus und – fahren Auto: Mit dem Elektroauto geht es geräuschlos durch den Ort, vorbei am Denkmal des „pflügenden Elefanten“, das an die Artistengeschichte von Alsenborn erinnert. Der Ort ist als „Heimat der Seiltänzer“ bekannt.

11:00 Uhr: Kindergarten Alsenborn

Die Sonne hat sich durchgesetzt, die Photovoltaikanlage funkelt auf dem Dach, für die Kinder Alltag. Auf einem Display können sie verfolgen, „wie viele Kilowattstunden Strom durch das Licht der Sonne gezählt wurden“ – so formuliert es die Kindergartenleiterin Anna-Maria von Lauppert. Im Vergleich dazu führt die Holzschnitzelheizung im Keller ein Schattendasein. Eine solche Heizung verursacht deutlich weniger klimarelevante Emissionen als fossile Energieträger. Die Kohlendioxid-Bilanz des Kindergartens fällt also – mit Blick auf den Masterplan – sehr gut aus: Strom und Wärme über erneuerbare Energien.

Auch Lisa Rothe ist zufrieden. Regelmäßig besucht sie den Kindergarten und sensibilisiert die Mädchen und Jungen für den Klimaschutz. Sie backt beispielsweise mit ihnen regional – Pflaumenkuchen aus dem Garten sozusagen. Freilandware verbraucht weniger Energie als Obst und Gemüse aus beheizten Treibhäusern. Und je weiter der Transportweg der Äpfel, Pflaumen oder Erdbeeren ist, desto schlechter fällt die Umweltbilanz aus: „Die Kinder sind unsere Zukunft, sie leben und arbeiten später hier – deshalb müssen wir bei ihnen anfangen.“ Vor diesem Hintergrund hat die Masterplan-Managerin – in Zusammenarbeit mit verschiedenen Agenturen – schon einige Aktionen und Wettbewerbe auf die Beine gestellt: So hat sie Schülerinnen und Schüler als Stromdetektive losgeschickt, um die größten Stromfresser im Schulgebäude zu finden. In einer Kunstwerkstatt haben Kinder Bilder zum Thema Energie entworfen. Die Motive wurden auf Hussen gedruckt und verschönern nun die Stromkästen im Dorf. Auch eine Klimaschutzkonferenz hat Rothe organisiert: Jedes Kind hat ein Land vertreten und dargestellt, wie das Land unter dem Klimawandel leidet. Die Kindergartenkinder winken zum Abschied. Unser Weg führt weiter auf die grüne Wiese.

11:45 Uhr: Biomasseheizkraftwerk

Thomas Spies hat eigentlich keine Zeit: Hochkonzentriert sitzt der dunkelhaarige Kraftwerksleiter vor mehreren Bildschirmen und koordiniert die Arbeit. Rund um die Uhr läuft das gemeindeeigene Kraftwerk. Immerhin liefert es neun Millionen Kilowattstunden Wärme im Jahr und 17 Millionen Kilowattstunden Strom, der ins ortseigene Stromnetz eingespeist wird – rein rechnerisch lassen sich damit 4.800 Haushalte versorgen. „Über das 4,5 Kilometer lange Fernwärmenetz werden die Bereitschaftspolizei, zwei Altenheime, die Feuerwehr, der Bauhof, das Rathaus, die Industriebetriebe und einige private Abnehmer versorgt“, erklärt Spies. Draußen rollt ein Lastwagen heran und liefert „neues Futter“: Landespflegematerial, unter anderem aus Grünschnittabfällen, davon frisst das Kraftwerk täglich 100 bis 120 Tonnen. Die Vorteile der Nutzung von Biomasse zur Energieerzeugung liegen auf der Hand: Sie schont knapper werdende fossile Brennstoffe; es wird nicht mehr Kohlendioxid freigesetzt als zuvor von den Pflanzen aufgenommen wurde. Biomasse trägt damit in erheblichem Maße zum Klimaschutz bei. „Und um das Biomasseheizkraftwerk weiterhin zu optimieren, ging im Dezember 2015 ein zusätzliches Blockheizkraftwerk zur Eigenstromversorgung des Biomasseheizkraftwerks in Betrieb. Jährlich können wir über 130.000 Euro einsparen“, so Rothe, während wir die letzte „Klimaschutz-Etappe“ des Tages anfahren.

12:30 Uhr: Windkraftanlage und Solaranlage

Versteckt auf einem ehemaligen Militärflugplatz blitzt die gemeindeeigene Photovoltaikanlage in der Sonne auf. Sie gehört zu den größten Freiflächen-
Anlagen in Rheinland-Pfalz und leistet mit 5,6 Megawatt einen erheblichen Beitrag zur grünen Stromerzeugung. In Reichweite drehen sich im stahlblauen Himmel die einzigen Rotorblätter von Enkenbach-Alsenborn: Das Windkraftrad gehört einer ortsansässigen Gießerei, die bilanziell die Hälfte ihres Strombedarfs damit deckt. „Bis 2050 ist es zwar noch ein bisschen hin, aber wir sind auf einem guten Weg, um eine Null-Emissions-Gemeinde zu werden. Das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf mindestens 35 Prozent auszubauen, ist für uns schon Vergangenheit!“, resümiert die Masterplan-Managerin.

13:48 Uhr: Bahnhof Enkenbach-Alsenborn

Der Zug rollt ein – dieses Mal weiter Richtung Frankfurt. Im Sonnenlicht zurück bleibt eine funkelnde kleine Pionierkommune, die sich vor den „Großen“ nicht verstecken muss und die ein deutliches Signal setzt: Die Welt retten kann man nicht allein. Klimaschutz verbindet.

„Kommunaler Klimaschutz braucht Kümmerer“

Seit 2012 unterstützt das Bundesumweltministerium ausgewählte Kommunen und Landkreise mit dem „Masterplan 100 % Klimaschutz“. PtJ-Mitarbeiterin Dr. Birgit Wittann begleitet das Förderprogramm.

Alle beteiligten Kommunen haben Klimaschutz-Managerinnen und -Manager. Warum braucht es eine solche Funktionsstelle?

Wenn in Kommunen ein ambitioniertes Klimaschutzkonzept erarbeitet wird, braucht es Kümmerer, eben Masterplan-Managerinnen und -Manager, die den Umsetzungsprozess vorantreiben und die Akteursnetzwerke betreuen – das ist unsere Erfahrung aus vielen Jahren Klimaschutz-Förderung.

Die erste Förderrunde endete 2016 – was sind die größten Erfolge?

Insgesamt ist es sehr gut gelungen, das Thema Klimaschutz nachhaltig in den Kommunen zu verankern. Da wurden beispielsweise Beiräte gegründet, Infoveranstaltungen angeboten, Menschen angeregt, das eigene Verhalten in Sachen Klimaschutz zu überdenken, alte Kühlschränke ausrangiert, Klimaschutzwettbewerbe organisiert. Diese Verankerung in der Gesellschaft und das kontinuierliche Einbeziehen aller Akteure, auch aus der Politik, sind entscheidend für den Erfolg. So erproben die Masterplan-Kommunen Wege, um bis zum Jahr 2050 den Ausstoß an Treibhausgasen um 95 Prozent zu verringern und den Energieverbrauch zu halbieren. Wichtig ist, grundlegende Änderungen im Klimaschutz einzuleiten, also den Hebel umzulegen. Das wollen wir mit dieser Förderung erreichen. Außerdem sind unsere Masterplan-Kommunen inzwischen international vernetzt. Es gibt Anfragen und Besuche aus Kanada, China oder Japan. Kommunale Praktiker kommen und wollen konkret sehen: Wie macht Ihr das? Da übernimmt Deutschland tatsächlich eine Vorreiterrolle.

Welche Rolle spielt der Projektträger Jülich?

Wir haben die Förderrichtlinie in Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium erarbeitet. 2011 haben wir die Skizzen mit ausgewählt und 2012 die Förderanträge geprüft und bewilligt, seitdem begleiten wir die Kommunen. Auch für die neue Förderrunde, die 2016 gestartet ist, haben wir wieder den gesamten Prozess der Antragstellerberatung, Skizzenprüfung und Bewerberauswahl übernommen. Wir unterstützen zudem die Vernetzung unter den Kommunen und geben Ideen und Erfahrungen aus vielen anderen durch uns betreuten Fördervorhaben weiter – beispielsweise auf den Vernetzungstreffen.

Wie geht es nun weiter?

Für Teilnehmer der ersten Förderperiode gibt es ein zweijähriges Anschlussvorhaben. Es geht darum, den zivilgesellschaftlichen Prozess zu stärken, also noch mehr Bürgerinnen und Bürger ins Klimaschutz-Boot zu holen. Außerdem soll die Verstetigung des Masterplan-Prozesses gesichert werden, sodass die Personalstellen der Masterplan-Managerinnen und -Manager auch nach dem Anschlussvorhaben erhalten bleiben und die Kommunen den beschrittenen Klimaschutzweg fortsetzen. Zwei Kommunen ist dieser Schritt bereits gelungen. Außerdem haben wir Tandems aus den 19 alten und 22 neuen Masterplan-Kommunen gebildet, die möglichst regional und vor allem inhaltlich zusammenarbeiten.

Hinweis

Die Texte stammen aus dem Dossier „Innovation für den sozialen Wandel“ des PtJ-Geschäftsberichts 2016.

Redaktion:

  • Projektträger Jülich
  • Christian Hohlfeld
  • Katja Lüers

Bildnachweise


  • Hintergrundbild „Die Kommune im Fokus“: julief514/iStock/thinkstock
  • Hintergrundbild „Zukunftsweisend“: Die ROOF WATER-FARM“: ROOF WATER-FARM/Marc Brinkmeier
  • Hintergrundbild „Abwasser als Ressource“: ROOF WATER-FARM/Marc Brinkmeier
  • Hintergrundbild „Obst, Gemüse und Fisch – Frisch auf den Tisch“: ROOF WATER-FARM/Marc Brinkmeier
  • Hintergrundbild „Klein, aber oho!“: Cora Werner
  • Dr. Birgit Wittann: Projektträger Jülich/Filip Stiglmayer

Projektträger Jülich – erkennen. fördern. gestalten.


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