Der Europäische Forschungsraum

Wissenschaftliche Exzellenz und wirtschaftlicher Erfolg in Europa basieren auf der Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten und ihrer Forschungseinrichtungen. Die wesentlichen Bausteine dazu sind der europäische Forschungsraum als politischer Prozess, um einen gemeinsamen Raum für Wissen und Forschende zu verwirklichen, und die Forschungsrahmenprogramme als Finanzierungsinstrument.

Mit einem Budget von knapp 80 Milliarden Euro über sieben Jahre ist „Horizont 2020“ das bislang größte Forschungsprogramm der EU. Es bündelt alle Förderinstrumente im Bereich Forschung und Innovation. Einheitliche und stark vereinfachte Vorschriften erleichtern die Teilnahme und minimieren den bürokratischen Aufwand. Konsequente Konzentration auf Schlüsselbereiche und zentrale gesellschaftliche Herausforderungen verspricht Ergebnisse zu produzieren, die einen entscheidenden Einfluss auf den Alltag der Menschen haben werden.

Mit dem 6. Forschungsrahmenprogramm wurde 2002 ein Instrument eingeführt, mit dem die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten auf Programmebene unterstützt werden sollte – die ERA-Netze. Heute sind sie ein wesentliches Element der europäischen Forschungsförderung. Forschungsministerien, Projektträger und Forschungsgesellschaften begrüßen es als effizientes Instrument der Zusammenarbeit, mit dem sie jährliche Budgets für grenzüberschreitende Ausschreibungen von 500 Millionen Euro mobilisieren und eine Vielzahl von Aktivitäten zur Realisierung des europäischen Forschungsraums unterstützen.

Aus dem ursprünglichen ERA-Netz (Koordinierung von Aktivitäten) und dem ERA-Netz Plus (Mitfinanzierung von gemeinsamen Ausschreibungen durch die EU) wurde ein vielseitiges und stark vereinfachtes Instrument entwickelt: ERA-NET Cofund erlaubt sowohl die Mitfinanzierung von Ausschreibungen als auch andere gemeinsame Aktivitäten in weiten Bereichen der Programmzusammenarbeit, bis hin zu Programmen, die auf institutioneller Förderung basieren. „Horizont 2020“ sieht allein in dem Arbeitsprogramm 2014/15 rund 250 Millionen Euro zur Unterstützung von ERA-Netzen mit dem neuen Instrument vor.

In einigen Bereichen hingegen ist eine echte Integration nationaler Programme in ein gemeinsames Programm gerechtfertigt. Dies basiert dann auf der Anwendung von Artikel 185 des EU-Vertrags. Es ermöglicht eine Beteiligung der Europäischen Union an gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen mehrerer Mitgliedsstaaten. Unter „Horizont 2020“ sind bislang vier solcher Initiativen verabschiedet worden, die seitens der EU mit 1,5 Milliarden Euro unterstützt werden – beispielsweise das KMU-Programm Eurostars oder die Metrologie-Forschung.

Der von den Mitgliedsstaaten geführte strategische Prozess der gemeinsamen Programmplanung koordiniert nationale Forschungsschwerpunkte, um Antworten auf große gesellschaftliche Fragen zu finden. Dies hat seit 2010 in zehn gemeinsame Programmplanungsinitiativen resultiert. Diese befassen sich mit den zentralen Herausforderungen wie Klimawandel, Ernährungssicherheit oder Gesundes Altern, die auf nationaler Ebene allein nicht lösbar sind. Damit werden begrenzte Ressourcen für Forschung und Entwicklung besser gebündelt und Komplementaritäten besser genutzt. In der Vergangenheit hat die EU den Aufbau organisatorischer Strukturen unterstützt. Unter „Horizont 2020“ sollen insbesondere ERA-Netze, und potenziell Artikel 185, zur Unterstützung genutzt werden.

Die nationalen Förderagenturen spielen in all dem eine Schlüsselrolle. Sie sind Bindeglied zwischen den nationalen Forschungsministerien und der Europäischen Kommission. Sie definieren gemeinsame Ausschreibungsthemen und entwickeln kontinuierlich ihre Prozesse, um grenzüberschreitende Aktivitäten und Ausschreibungen zu erleichtern. Nationale Antragsteller werden darin unterstützt, mit ihren europäischen Forschungspartnern zusammenzuarbeiten.

Partnerländer der von PtJ betreuten Nationalen Kontaktstellen und europäischen Koordinierungsinitiativen (© Projektträger Jülich)
Partnerländer der von PtJ betreuten Nationalen Kontaktstellen und europäischen Koordinierungsinitiativen
(© Projektträger Jülich)

Der Projektträger Jülich hat für das BMBF von Anbeginn an die Chancen der neuen Instrumente erkannt und eine Vorreiterrolle übernommen. Jülich hat sich in rund 40 Initiativen, davon in gut einem Drittel als Koordinator, beteiligt und mit erheblichen Beiträgen aus dem Bundeshaushalt die enge Vernetzung der deutschen Programme mit seinen europäischen Partnern ermöglicht.

Ich bin überzeugt, dass der Projektträger Jülich mit seinem starken Engagement und der engen Zusammenarbeit auch künftig seinen Teil dazu beitragen wird, die gemeinsamen Herausforderungen des europäischen Forschungsraums erfolgreich anzugehen!

Ein Beitrag von Dr. Jörg Niehoff. Er ist Policy Officer in der Generaldirektion Forschung und Innovation bei der Europäischen Kommission. Dr. Niehoff ist verantwortlich für die Koordinierung der ERA-Net- und Art. 185-Aktivitäten zur Unterstützung der Koordinierung und Zusammenarbeit nationaler Forschungsprogramme.

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Entstehung der Projektförderung

Förderung der Energieforschung

Entwicklung der Umweltforschung

Entwicklung der Biotechnologie

Förderung der Materialforschung

Regionen-orientierte Innovationsförderung