WTZ mit China

eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit China auf dem Gebiet der Meeresforschung und -technologie besteht seit 1986. Chinesischer Partner des BMBF ist die "State Ocean Administration (SOA)". Der Vertrag über die Zusammenarbeit im Bereich Geowissenschaften wurde 2004 mit dem "Ministry of Land and Resources of the People's Republik of China (MLR)" geschlossen. Während der im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Lenkungskreissitzungen wird über den Stand der Forschung in den jeweiligen Projekten berichtet sowie gemeinsam neue Projekte geplant. Das nächste bilaterale Treffen mit SOA und MLR wird im Sommer 2010 in Deutschland stattfinden.

Wechselwirkungen Land-Meer entlang von Küstenökosystemen in den Tropen Chinas: Hainan (LANCET)

Die Region Hainan hat den Status einer besonderen Wirtschaftszone mit einer entsprechenden wirtschaftlichen Entwicklung und kann in den letzten Jahren auch deutliche Zuwächse in der Tourismusbranche verzeichnet. Das Küstenökosystem ist nur noch teilweise in einem natürlichen Zustand anzutreffen. Die chinesischen Behörden haben die Gefährdung erkannt und versuchen die rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen und die Gefährdung des Systems durch unkontrollierte Einleitungen aus Industrie und Landwirtschaft zu unterbinden und gleichzeitig einen schonenden Tourismus zu fördern. Seit Oktober 2006 wird das Verbundprojekt LANCET (Land-Sea Interactions in Coastal Ecosystems of Tropical China) gefördert. Im Fokus des Forschungsvorhabens steht das Küstenökosystem der tropischen Insel Hainan. Über eine ökologische Bestandsaufnahme wird der Zustand der Lebensräume Korallenriff, Seegraswiesen und Mangrove bewertet. Es werden aktuelle Gefährdungen aufgezeigt und Grundlagen für ein Ökosystemmanagement geschaffen. Um eine spätere Umsetzung zu erleichtern, findet das Verbundprojekt in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Fischereibehörde und den verschiedenen chinesischen Universitäten vor Ort statt. Auf deutscher Seite koordiniert das Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT, Bremen) den Verbund.

Landnutzungswandel, Erosion und Hangbewegungen im Einzugsbereich des Drei-Schluchten-Staudamms (YANGTZE)

Die Aufstauung des Yangtze durch den Drei-Schluchten-Staudamm und die damit in Verbindung stehenden ständigen Veränderungen der Wasserspiegelhöhe bewirken eine deutliche Zunahme von Massenbewegungen und Bodenerosion. Das Verbundprojekt "Yangtze: Landnutzungswandel / Erosion / Hangbewegungen" wird seit April 2008 gefördert und hat die Untersuchung des Einzugsgebiets des Yangtze Flusses in der Region des Drei-Schluchten-Staudamms im Hinblick auf Risikoabschätzung für die Gefährdung durch Hangrutschungen, Bodenerosion und Stoffeinträge ins Gewässer zum Ziel. Basierend auf Bodenuntersuchungen und Fernerkundungsdaten werden das Gefährdungspotential im Drei-Schluchten-Gebiet abgeschätzt und die Grundlage für eine nachhaltige Umwelt und- Nutzungsplanung in der Region geschaffen. Dabei konzentrieren sich die Arbeiten auf die Erfassung und Analyse der Bodenerosionserscheinungen im Einzugsgebiet des Yangtze. Des Weiteren werden die Veränderungen der Hanghydrologie mit den neuen Spannungszuständen der Böden und die Effekte, die durch die Umsiedelung der Bevölkerung entstehen, untersucht. Fernerkundungsmethoden werden genutzt, um Aussagen über Vegetation, Lithologie und dreidimensionalen Bewegungen des Untersuchungsgebietes zu treffen. Im Ergebnis wird eine Gefährdungskarte erstellt, die die räumliche Abschätzung der Massenbewegungen im Bereich des Drei-Schluchten-Staudamms darstellt. Das Vorhaben wird vom Forschungszentrum Jülich in enger Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen koordiniert. Auf chinesischer Seite ist die University of Wuhan Hauptkooperationspartner.

Auswirkungen des ENSO-Monsun-Systems auf die biogeochemischen Stoffflüsse in der nördlichen Süd-China-See (SINOFLUX)

Die südchinesischen Küstengewässer sind eine der biologisch produktivsten Meeresregionen Südostasiens. Ursache dafür ist der Eintrag von äolischen Partikeln durch die SW-Monsun Winde und der damit verbundenen Durchmischung der oberen Wassersäule sowie die Zufuhr von Nährstoffen aus nahegelegenen Flüssen. Im Rahmen des seit Mai 2009 geförderten SINOFLUX Projektes werden mittels Sedimentuntersuchungen die biogeochemischen Stoffflüsse während der ENSO Phasen und unter ENSO-freien Bedingungen qualitativ und quantitativ erfasst. Die Ergebnisse werden Hinweise auf langfristige Veränderungen der ENSO Ereignisse und Auftriebsdynamik der südchinesischen Küstengewässer während der letzten 12.000 Jahre (Holozän) liefern. In Kombination mit laufenden biogeochemischen Untersuchungen in den Auftriebsgebieten vor Vietnam, vor der nordphilippinischen Küste und vor dem Sundaschelf werden die Ergebnisse ein zeitlich und räumlich umfassendes Bild zum Sedimentationsgeschehen und seinen Steuerungsfaktoren für Gesamt-Südostasien liefern. Die Zusammenführung von rezenten und fossilen Szenarien wird zu einem besseren Verständnis der Konsequenzen der globalen Erwärmung beitragen und helfen, regionale Modelle zur Reaktion ozeanischer Ökosysteme auf erhöhte Temperaturen zu verbessern.

Wechselfeld natürlicher und anthropogener Einflüsse während des Holozäns im Südchinesischen Meer (BEIBU)

Die Region des Beibu Golfs im nordwestlichen Südchinesischen Meer ist von der staatlichen chinesischen Umweltbehörde (SEPA) im Hinblick auf eine Verbesserung der Umweltsituation als eine von fünf Schlüsselregionen ausgewählt worden. Hier sollen im großen Umfang Umweltverträglichkeitsstudien in Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern durchgeführt werden. Übergeordnetes Ziel des Verbundprojektes BEIBU, welches seit September 2009 gefördert wird, ist die Charakterisierung des Beibu Golfs mittels hydrographischer und biogeochemischer Untersuchungen, Fernerkundungsmethoden und übergeordneten Modellierungsansätzen, um eine Bilanzierung der anthropogenen Einflüsse/Einträge auf diese Schlüsselregion vorzunehmen. Es werden hydrographische und biogeochemische Untersuchungen durchgeführt. Des Weiteren erfolgt eine Charakterisierung der Verteilung der Wasseroberflächentemperatur, der Planktonentwicklung und des Schwebstofftransportes innerhalb der unterschiedlichen Monsunphasen anhand von Satellitendaten. Sedimentphysikalische und geochemische Untersuchungen geben Hinweise zur Veränderung der Klimaparameter, der ozeanographischen Zirkulation und der anthropogenen Einflüsse der letzten 12.000 Jahre (Holozän). Das Zentrum für Marine Tropenökologie führt während der Trocken- und Regenzeit Beprobungskampagnen in den Flüssen, Mangroven und Ästuaren durch, um Aussagen über Nährstoffquellen und potentielle Eutrophierungsprozesse zu treffen. Um eine Charakterisierung / Zuordnung der Eintragsstoffe vorzunehmen, werden Garnelenteiche, Teichabwässer, natürlich und landwirtschaftlich genutzte Böden sowie Pflanzen beprobt und analysiert. Die Ergebnisse werden Hinweise auf die Auswirkung und Bedeutung des anthropogenen Einflusses auf die Küstengewässer des Beibu Golfs liefern.

Monitoring der marinen Sicherheit mit Multi-Sensor Fernerkundungsdaten (MaMo)

Im Rahmen des seit Oktober 2010 geförderten Verbundprojektes werden globale Fernerkundungsdaten ausgewertet und mit Ergebnissen aus numerischen Modellierungen sowie aus in-situ Messungen verknüpft. Ziel der Untersuchung ist es, die Vorhersage von Extremwetterereignissen insbesondere das Auftauchen / die Bildung von Taifunen und Hurrikans mittels detaillierter Vermessung von hoch aufgelösten Satellitenbildern zu verbessern. Zusätzlich werden Seegangsmessungen und die Bestimmung von Oberflächenströmungen im Bereich vielbefahrener Schifffahrtsrouten und entlang von Küstenregionen durchgeführt. Die Fernerkundungsdaten der Ozeanoberflächen werden von den deutschen Satelliten TerraSAR-X und TanDEM-X, den europäischen Satelliten ERS und Envisat sowie vom chinesischen Satellit HY-1 geliefert. Numerische Modelle und in-situ Datensätze werden vom Europäischen Zentrum für Mittelfristvorhersage (EZMW) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bereitgestellt und vor der Zusammenführung / Verknüpfung mit den Satellitendaten auf entsprechende Parameter wie Raum und Zeit interpoliert. Die Arbeitsgruppe des DLR wird mittels der Satellitenradardaten, Windfelder und die durch Taifune erzeugten Seegangshöhen bestimmen sowie eine Abschätzung der Taifun / Hurrikan Niederschlagsmengen vornehmen. Die Arbeitsgruppe der Firma GAUSS wird Messungen des DWD und EZMW sowie in-situ Bojen- und Containerschiffdaten auswerten und mit den Radarbeobachtungsdaten korrelieren. Die Untersuchungen konzentrieren sich dabei auf sturmstarke Seegebiete im Pazifik und Atlantik entlang vielbefahrener Schifffahrtsrouten. Basierend auf den Wetter - und Beobachtungsdatensätzen sollen im Rahmen des Vorhabens Algorithmen für extreme Wetterlagen entwickelt werden, um insbesondere maximale Seegangshöhen in vielbefahrenen Seegebieten zu ermitteln.

Tibet Plateau (TiP)

Von Dezember 2007 bis 2009 wurde ein deutsch-chinesisches Forschungsprojekt auf dem Tibet-Plateau gefördert "Tibetan Plateau: Formation - Climate - Ecosystems (TiP)". Die Universität Tübingen ist für die Koordination des hierfür eingerichteten DFG-Schwerpunktprogramms SPP 1372 zuständig. Von deutscher Seite werden vorwiegend Arbeiten auf dem Gebiet der Sedimentologie, Chronostratigraphie, Paläoklimatologie, Paläoökologie und Petrologie durchgeführt. Ende Mai 2008 wurde mit der wissenschaftlichen Bohrung im Qaidam Becken begonnen. Kooperationspartner auf chinesischer Seite sind das Institute of Tibetan Plateau Research, die Hebei Polytechnic University - College of Resources and Environment, die Nanjing University - College of Atmospheric Sciences und Institute of Geography and Limnology.

Ansprechpartner/in

mehr zu diesem Thema

Direkteinstieg

Wissenschaftsjahr 2012

Das Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde steht im Zeichen der Forschung für nachhaltige Entwicklungen.