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Marine Ressourcen
Die Weltmeere beherbergen zahlreiche Lebewesen mit zum Teil extremen Spezialisierungen. Sie verfügen über unbekannte chemische Strukturen, die für Anwendungen im medizinischen und chemischen sowie industriellen Bereich interessant sind. Daneben dienen Fische und Meeresfrüchte seit jeher als menschliche Nahrung. Die Bestände sind allerdings durch weltweite Übernutzung bedroht und erfordern die Entwicklung umweltgerechter Technologien zur Zucht mariner Organismen.
- Einreichungsfrist unbefristet
Marine Naturstoffe
Seit November 1997 werden im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "Marine Naturstoffforschung" FuE-Arbeiten gefördert, die darauf abzielen, Wirkstoffe aus dem Meer zu identifizieren, zu isolieren und zu charakterisieren. Sie sollen zur Entwicklung neuer Produkte für unterschiedliche Anwendungsbereiche führen. Auch Verfahren zur nachhaltigen Produktion dieser Wirkstoffe im Einklang mit der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt werden gefördert.
Darüber hinaus ist die Förderung vor allem darauf ausgerichtet, die Zusammenarbeit der Meeresforschung mit der Naturstoffchemie und der Industrie zu verbessern. Im Mittelpunkt steht die Überwindung struktureller Defizite. Dabei sollen vor allem vorhandene Infrastrukturen optimaler genutzt, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schneller in die Anwendung gebracht und patentrechtlich geschützt werden. Ziel ist es, dass sich durch verstärktes Engagement der Industrie mittel- bis langfristig ein selbsttragender Prozess etabliert.
Eine besondere Rolle spielt das vom Bund und einer Reihe von Bundesländern gemeinsam geförderte "Kompetenzzentrum Schwämme BIOTEC-MARIN". Es bündelt die Expertise von Naturwissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und Ingenieuren und schafft mit einer eigens gegründeten Verwertungsgesellschaft die Voraussetzung zur raschen industriellen Verwertung der Forschungsergebnisse. Schwämme gelten als einer der reichhaltigsten Produzenten von Naturstoffen sowohl im Hinblick auf die Vielfalt chemischer Strukturen als auch ihrer biologischen Eigenschaften. Ein neues Medikament gegen Leukämie befindet sich bereits in der vorklinischen Entwicklungsphase.
Neben neuen Arzneistoffen liefern Schwämme auch noch andere industriell verwertbare Materialien; insbesondere für das Silica, eine glasartige Substanz, die den Schwämmen als Skelett dient, ergeben sich Anwendungsmöglichkeiten, z.B. für Oberflächenbeschichtungen von medizinischen Implantaten oder in der Nanotechnologie.
Das BMBF hat in diesem Förderschwerpunkt seit 1997 insgesamt 46 Vorhaben, in denen neben den Schwämmen überwiegend Meeresbakterien und -pilze untersucht wurden, mit rund 22 Mio. Euro gefördert. Die Industrie hat mit wachsendem Einsatz einen Betrag von rund 12 Mio. Euro beigesteuert.
Marine Aquakultur
Die Versorgung mit Fisch, Krusten- und Schalentieren befindet sich weltweit im Umbruch. Die über Jahrzehnte nur auf Ertrag ausgerichtete Meeresfischerei, die auf die Reproduktionsfähigkeit der einzelnen Arten keine Rücksicht genommen hat, führt zusammen mit ungünstigen Veränderungen in der Umwelt zu stagnierenden bzw. bereits rückläufigen Anlandungen. Marine Nahrungsressourcen stehen kaum noch zur Verfügung.
Der durch das Bevölkerungswachstum weiter steigende Eiweißbedarf wird daher zukünftig nur noch zu einem geringeren Anteil als bisher aus Fischereierträgen gedeckt werden können. Damit erlangt die marine Aquakultur (Marikultur) zunehmende Bedeutung. Sie gilt als Hoffnungsträger bei der künftigen Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln aus dem Meer. Prognosen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bis 2030 mehr als die Hälfte der gesamten Fischproduktion aus Aquakultur- bzw. Marikulturbetrieben kommen wird.
Angesichts lokaler Umweltbelastungen durch Marikultur müssen umweltverträglichere Technologien entwickelt werden. Nur so kann die Expansion dieser Nahrungsmittelproduktion nachhaltig gestaltet werden. Das Ziel sind so genannte Vollkulturen, die den gesamten Produktionszyklus vom Ei bis zum Lebensmittelprodukt umfassen. FuE-Bedarf besteht bei der Entwicklung von Reproduktionstechniken und bei der Optimierung der Aufzuchtbedingungen bis zur Schlachtreife ebenso wie bei der Entwicklung geeigneter Futtermittel und Zuchtanlagen. Dies gilt nicht nur für die Fischproduktion, sondern ebenso für alle zur menschlichen Ernährung geeigneten Meeresorganismen wie Muscheln, Krustentiere und Algen. Darüber hinaus können Meeresorganismen auch als Produzenten medizinisch, pharmakologisch und anderweitig wertvoller Substanzen von Interesse sein.
Förderung
Gefördert werden interdisziplinäre Verbundprojekte zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die das Ziel haben, nachhaltige Verfahren zur Produktion von Meeresorganismen zu entwickeln. Auf die enge Zusammenarbeit von ingenieur- und naturwissenschaftlichen Disziplinen wird dabei besonders Wert gelegt. Damit sollen in Deutschland Strukturen aufgebaut werden, die es deutschen Unternehmen zukünftig erlauben, auf dem international wichtigen Markt der Marikulturtechnologie als System- und Komponentenanbieter erfolgreich zu agieren. Dies kann im Einzelfall internationale Kooperationen, z.B. im Rahmen der WTZ, erforderlich machen.
Ansprechpartner/in
- Dr. Peter Seifert 0381 5197-297 p.seifert@fz-juelich.de
Weiterführende Links
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