Küstenforschungsagenda für Nord- und Ostsee

eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Küsten- und Meeresökosysteme unterliegen seit jeher einem steten Wandel. Über das bekannte, natürliche Maß hinaus werden seit einigen Jahrzehnten die vom Menschen gemachten Veränderungen immer deutlicher sichtbar. Diese Veränderungen finden auf allen Ebenen statt, bis hin zu globalen Verschiebungen atmosphärischer Transporte, Erwärmung des Meerwassers und Meeresspiegelanstieg. Es gilt als gesichert, dass das Ausmaß der bisherigen Nutzungen zukünftig weiter zunehmen und zusammen mit neuen Nutzungsformen den Druck auf die marine Umwelt und die Ressourcen der Meere erhöhen wird. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass sich der von Menschen beeinflusste Klimawandel immer stärker auswirkt. Es besteht daher aktueller Forschungsbedarf, um die vielseitigen Wechselwirkungen zu erfassen und um darüber verlässliche Prognosen zur Unterstützung bei  anstehenden  Entscheidungsprozessen  geben zu können.

In Anbetracht dessen wird im Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“ (2010-2015) des Bundesministeriums für Bildung und  Forschung (BMBF) die deutsche Küste als eine von weltweit vier Schwerpunktregionen der Erdsystemforschung benannt, in denen die Folgen des Globalen Klimawandels besonders schnell und/oder besonders spürbar zu Tage treten. Das BMBF hat sich daher entschlossen, in diesem Forschungsbereich die Projektförderung zu intensivieren und  als eine förderpolitische Grundlage hierzu die  „Küstenforschungsagenda für die Nord- und Ostsee“ aufzustellen. An der Erarbeitung der Agenda waren  die maßgeblichen wissenschaftlichen Organisationen und Einrichtungen, einschließlich Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und der Länder, beteiligt.

Das BMBF hat eine erste Förderbekanntmachung zur Umsetzung der Küstenforschungsagenda  veröffentlicht. Ziel der Förderung ist die Schaffung neuer Formen der Kooperation und Kommunikation zwischen Forschungseinrichtungen, Förderinstitutionen, gewerblicher Wirtschaft und Behörden, die den Komplex "Küstenforschung/ Meeresschutz/ Umsetzung von Richtlinien" als Leitlinie und die marktfähigen Produkte als festen Bestandteil des Managements der Küstenökosysteme und der Küstenzone nutzen. Die vorliegende Ausschreibung fordert Vorschläge für Verbundprojekte an, die mindestens zwei der nachfolgend genannten Themenschwerpunkte integrativ bearbeiten und soweit möglich, Beiträge zur nationalen Implementierung der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtline liefern:

  • Grundlagen für ein verbessertes Verständnis von Küstenmeerökosystemen
  • Wechselwirkungen, Austausch- und Transportprozesse zwischen Meeresgrund und Wassersäule
  • Entwicklung und Bewertung von Konzepten für innovative Infrastrukturen und Systeme im Küstenbereich

Ziele der Küstenforschungsagenda

Übergeordnetes Ziel der Forschungsförderung im Rahmen der „Küstenforschungsagenda für Nord- und Ostsee“  ist die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für die zukunftsfähige Nutzung der natürlichen Ressourcen in den Küstenregionen dieser Meeresgebiete. Die Ergebnisse der Forschungsprojekte sollen die Umsetzung nationaler und europäischer Meerespolitiken in den deutschen Küstenmeeren unterstützen. So wird unter anderem der Erkenntnis Rechnung getragen, dass der Meeresschutz ein vorrangiges gesellschaftliches Interesse darstellt. 

Entsprechend den Zielen der Küstenforschungsagenda werden wissenschaftliche Beiträge zu den folgenden vier übergeordneten Leitlinien gefördert:

  1. Wissen schaffen zur Nutzung und zum Erhalt von Ökosystemdienstleistungen der Küstengebiete von Nord- und Ostsee unter Berücksichtigung der wachsenden Nutzungsanforderungen und des Klimawandels.
  2. Verbesserung der Abschätzbarkeit von Auswirkungen des globalen Wandels auf die Küstenökosysteme sowie der Prognosefähigkeit mit Hilfe eines modularen Modellsystems Küstenmeer.
  3. Schaffen von wissenschaftlichen Grundlagen zur Unterstützung des Aufbaus von Infrastrukturen in der Küstenzone vor dem Hintergrund skalenübergreifender Variabilität.
  4. Unterstützende Forschung für die wirksame Umsetzung einer integrierten Meerespolitik, um optimale Bedingungen für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane und der Meere zu schaffen und gleichzeitig Wachstum in der maritimen Wirtschaft und in den Küstenregionen zu ermöglichen.

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Wissenschaftsjahr 2012

Das Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde steht im Zeichen der Forschung für nachhaltige Entwicklungen.