ERASynBio (ERA-Net zur europäischen Koordinierung der Forschung in der Synthetischen Biologie): 2. Gemeinsame Ausschreibung

eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

ERASynBio ist eine gemeinsame Maßnahme von 16 forschungsfördernden und/oder Managementorganisationen aus 14 EU-Mitgliedstaaten und zwei Staaten mit Beobachterstatus mit bedeutenden Forschungsaktivitäten in der Synthetischen Biologie. Sie verfolgt das Ziel, nationale und regionale Förderprogramme in der Synthetischen Biologie zu koordinieren.

Unter dem Dach von ERASynBio haben die elf ERASynBio-Partner und ein Beobachter (NSF, USA)  entschieden, eine zweite gemeinsame Bekanntmachung von Förderrichtlinien mit dem Titel „Aufbau von Kapazitäten in der Synthetischen Biologie durch transnationale Forschungsprojekte“ zu publizieren.

Die Synthetische Biologie ist ein neuer und vielversprechender Forschungsbereich, der erheblich zu Innovation und technologischem Fortschritt beitragen kann, und der für die wissensbasierte Bioökonomie und für die Gesellschaft als Ganzes von Bedeutung ist. Auch wenn die Synthetische Biologie ein neues Forschungsgebiet ist, hat sie bereits bewiesen, dass sie einen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts leisten kann, denn sie verändert Ansatz, Werkzeuge und Methoden der modernen Biotechnologie grundlegend. Mit den Methoden der Synthetischen Biologie wird es erstmals möglich sein, hochkomplexe, kontrollierbare und/oder orthogonale Biosysteme sowie neuartige Proteine und Nukleotide zu entwickeln, deren Komplexität über das hinausgeht, was mit vorhandenen gentechnischen Methoden erreichbar ist. Diese neuartigen Systeme könnten mittels synthetisierter Genome in konstruierte Gerüste (Chassis) oder auch einfache Protozellsysteme eingebaut werden.

Gegenstand der Förderung sind Forschungsverbünde in der Synthetischen Biologie, die sich durch die multidisziplinäre Zusammenarbeit von Lebenswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologie auszeichnen.

Die Projekte können aus einem oder mehreren der folgenden Bereiche hervorgehen:

  • Metabolic Engineering: Erreichen eines neuen Komplexitätsgrades bei der Modifizierung von Biosynthesewegen für eine nachhaltige Chemie
  • Genetische Schaltkreise: Einsatz gut charakterisierter, modularer, artifizieller Netzwerke, um neue Funktionen in Zellen und Organismen zu etablieren
  • Orthogonale Biosysteme: Konstruktion von Zellen zur Erweiterung des genetischen Codes, Entwicklung neuer Kapazitäten für die Speicherung und Verarbeitung von Informationen (Xenonukleinsäuren) und Ermöglichung eines bio-orthogonalen Protein-Engineerings
  • Bionanowissenschaft: Entwickeln von „Motoren“ und anderen Komponenten auf Molekülebene für zellbasierte „Maschinen“ oder zellfreie Konstrukte zur Durchführung komplexer neuer Aufgaben
  • Minimalgenome: Identifikation der kleinsten Anzahl lebensnotwendiger Bausteine als Basis für die Entwicklung modifizierter minimaler Zellfabriken für neue Funktionen
  • Protozellen: Nutzung programmierbaren chemischen Designs für die chemische Herstellung (semi)synthetischer Zellen.

Für dieses neue Gebiet ist es besonders wichtig, dass die Projekte auch folgende Kriterien berücksichtigen:

  • Die Anträge sollen eine Schnittstelle zwischen Biologie, Ingenieurtechnik, Mathematik, Physik, Chemie oder Informatik aufweisen, um interdisziplinäre Forschung zu etablieren.
  • Alle Projekte müssen die Grundsätze des EGE-Gutachtens Nr. 25 (http://ec.europa.eu/bepa/european-group-ethics/docs/opinion25_en.pdf) bzw. die jeweiligen US-Leitlinien für amerikanische Partner (http://www.nsf.gov/pubs/policydocs/pappguide/nsf14001/gpg_2.jsp) berücksichtigen. Überdies sollten die Projekte genaue Angaben zu relevanten ethischen, sozialen und regulatorischen Folgen enthalten.
  • Jedes Konsortium muss ein strategisches Element in seinen Projektantrag aufnehmen, um für eine Förderung in Betracht zu kommen, siehe nachfolgende Tabelle 1 (Antragsteller können nach Belieben auch weitere Elemente einbeziehen). Diese strategischen Elemente leiten sich aus den Empfehlungen zu den Themen 2 bis 5 des ERASynBio Strategic Vision-Konzepts ab und dienen dem übergeordneten Ziel einer verantwortungsvollen und wirksamen Entwicklung. Die Konsortien können das Element frei wählen, und sie können jedwede Maßnahmen durchführen, die dem Gesamtziel des strategischen Bereichs entsprechen. Da aber nicht alle Förderorganisationen alle Arten von Elementen finanzieren können, sollten die Antragsteller das Förderschema in Tabelle 2 beachten und das Call Office oder die nationalen Ansprechpartner kontaktieren, wenn sie nicht sicher sind, welche Art von Aktivitäten gefördert werden kann.

ERASynBio wird keine Projekte fördern, deren technologischer Nutzen der Sicherheitsforschung dienen würde - dies schließt nicht die Sicherheit von Nahrungsmitteln, Umwelt und Energie ein. Antragsteller, die sich unsicher sind, ob ihre Forschung unter diese Sicherheitsdefinition fällt, sollen ihre nationalen Ansprechpartner kontaktieren.

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